Geuder Ritter - Internationaler Familienkreis Geuther/Geuter/Geuder-Ahnen

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Ritter Johann Philipp Geuder
von Kurt Geuther im April 2008


Beim Lesen in der Biedermann-Genealogie, auf die ich mich hier weitgehendst beziehe, dringt man mit seinen Gedanken meist nicht tief genug in das Geschehen ein. Ich möchte mich daher mit der Person und dem Umfeld von Johann Philipp Geuder *19.03.1597 †11.04.1650, Begründer der Geuder-Rabensteiner Linie, etwas näher beschäftigen.

Sein Vater war Jacob Geuder von Heroldsberg zu Heroldsberg, Neuhof und Stein, Chur Pfälzischer Regierungsrath und Landrichter zu Amberg, geboren 1575, u.a. auch Besitzer von Gütern in Neunhof bei Lauf a. d. Pegnitz. Er gab das Bürgerrecht in Nürnberg auf, bezog seine Güter auf dem Lande und starb am 9. August 1616 in Amberg. Weil er im Heroldsberger Gebiet versuchte, den Calvinismus einzuführen, kam es zu Auseinandersetzungen mit der Stadt Nürnberg. Nachdem Nürnberg am 14.03.1525 evangelisch-lutherisch geworden war, ging der Rat der Stadt gegen andere reformatorische Gruppen vor.

Jacob Geuder ließ sich bei der freien Reichsritterschaft in Franken einschreiben und trat in die Dienste des Kurfürsten von der Pfalz. Gemeinsam mit seiner Frau Sabina, geb. Welser (über die Patrizierfamilie Welser, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Welser) schloss sich Jacob Geuder dem reformierten Bekenntnis an und wurde Mitglied des oberpfälzischen Kirchenrates in Amberg. In Amberg, Stadt in der Oberpfalz, ca. 60 km östlich Nürnberg gelegen, war die Reformation eingeführt, doch nachdem 1620 Amberg zu Bayern kam, wurde sie wieder katholisch. Zahlreiche Reformierte verließen die Stadt, mußten auswandern, weil sie nicht katholisch werden wollten. An den Gottesdiensten und Abendmahlsfeiern in Neunhof/Lauf und Heroldsberg durften die in Nürnberg und Umgebung ansässigen Reformierten teilnehmen. Sie taten dies als Gäste der Geuder, die zur freien Reichsritterschaft gehörten und damit das Recht zur privaten Religionsausübung hatten. Nach Jacobs Tod wurden in Neunhof/Lauf weiterhin reformierte Gottesdienste gefeiert, denn die Witwe Sabina Geuder hatte dort bis 1632 ihren Wohnsitz und verteidigte die reformierten Gottesdienste. Jacobs Sohn, Johann Philipp Geuder, verlegte die Gottesdienste in das Schloss nach Heroldsberg. Dort predigte der reformierte Pfarrer von Weißenohe und taufte die Kinder der Geuder.

Mit Johann Philipp Geuder genannt Rabensteiner *19.03.1597 †11.04.1650 beginnt eine Abzweiglinie von der Heroldsberger Geuder-Linie. Johann Philipp heiratete in erster Ehe Isabella Jacoba Schott von Schottenstein. Der Stammsitz der Schottensteiner liegt in der Gemeinde Itzgrund Landkreis Coburg. Mit ihr hatte Johann Philipp nach Biedermann 9 Kinder und weitere, die in der Kindheit gestorben sind. Von den Kinder ist folgendes bekannt:

  • Johann Philipp Geuder genannt Rabensteiner *1620 war als Offizier in Holland.

  • Ludewig Ernst Geuder genannt Rabensteiner *1622 +1660 war anfänglich Page am Hochfürstlich Anhalt Bernburgischen Hofe, trat dann in Holländische Kriegsdienste, starb auf seinem Gut Heroldsberg am 13. Februar 1660 und liegt in der Kirche Heroldsberg begraben. Er war verheiratet mit Margaretha Catharina Seckendorf Gutend.

  • Christian Rudolph Geuder von Heroldsberg *1624 + 1642.

  • Barbara Ernestina Geuder genannt Rabensteiner ist 1684 gestorben. Sie war verheiratet mit Friederich Siegemund von Heßberg.

  • Jacobina Beatrix Geuder genannt Rabensteiner ist als Hochfürstlich Anhalt Bernburgische Hofmeisterin unvermählt gestorben.

  • Heinrich Adolph Geuder genannt Rabensteiner zu Heroldsberg und Stein, Hochfürstlich Brandenburg Culmbachischer Rath, Cammer Junker und Ober Amtmann zu Baiersdorf starb am 6. Mai 1675, war verheiratet mit Veronica Sabina Schulter von Thalheim.

  • Philipp Carl Geuder genannt Rabensteiner wurde im Brandenburgischen ansässig und ist am 30. Juli 1694 gestorben, war mit Amalia Hedwig von Wiedersheim verheiratet

  • und von Afra Blandina Geuder genannt Rabensteiner sowie Elonora Sybilla Geuder genannt Rabensteiner sind keine Angaben vorhanden.


Nachtrag zu Elenora Sybilla von Geuder

Zum Kloster und späteren Damenstift Zehdenick werden in einer handschriftlich überlieferten Chronik (vermutlich aus dem Jahr 1768) für das Jahr 1713 folgende Mitglieder des Konvents genannt: "Rosina Louisa von Britzken Domina von 1694 an, Eleonora Sybilla v Geuder, Anna Elisabeth von Stockheim, Maria Dorothea von Britzken, v Blutowsky, Elisabeth Sybilla v. Wackenitz."
Weiter findet sich dort die folgende Eintragung:
"1701, 26. Den 9 Octobr. ist das Leichen Begängniß von der weylandt wolgebohrenen Reichs-Freyin Fräulein Isabella Elisabeth Geuderin aus dem Hause Heroldsberg, gewesene preiswürdige Conventualin des alhiesigen Closters, welche auf der hochfürstl. Residenz Herzegeroda [Harzgerode] im Anhaltischen gestorben undt auch daselbst begraben, alter Observanz nach mit einer procession aus dem neuen Hause von dem Königl. Ambte mit einer Leichen Predigt aus Ps. 16 v. 5 et 6 hochfeyerlich gehalten worden."



In zweiter Ehe heiratete Johann Philipp am 1. Mai 1649 Anna Elisabeth Rabensteiner von Döhlau. Von ihr, der Rabensteinerin, haben er und seine Nachkommen den Zunamen Rabensteiner angenommen und hierüber ein Kaiserliches Diploma erhalten. Zur Person von Johann Philipp schreibt Biedermann und ich zitiere:

Johann Philipp Geuder, genannt Rabensteiner zu Heroldsberg und Stein, Hochfürstlich Brandenburg- wie auch Hochfürstlich Anhaltischer Rath und Hofmeister, Ritter Hauptmann des löblichen Orts Gebürg und Director aller 6 löblichen Orte in Franken, Erb Schenk des Hochstiftes Würzburg und des heiligen Römischen Reichs Ritter. Stifter der blühenden, älteren Hauptlinie genannt Rabensteiner. Er signalisierte sich nach zurückgelegten Studiis und vollbrachten Reisen sowohl zu Felde, als an grosser Herren Höfen und bei der unmittelbaren Reichsritterschaft, anfänglich Lieutenant, sodann aber Rittmeister unter den Kaiserlich Kevenbüllerischen Regimente, endlich aber Königlich Schwedischer Kriegs Rath und Commillarius über den löblich Fränkischen Kreis geworden. Da er schon vorher Hochgräflich Löwenstein Wertheimischer Hofmeister und Kanzlei Präsident gewesen, ward er anno 1636 als Hochfürstlich Anhaltischer Rath, Hofmeister und Gesandter am Kaiserlichen Wahl- und Krönungstag in Regensburg zum Ritter geschlagen und erlangte sofort die Raths Stelle bei dem Hochfürstlichen Hause Brandenburg von des Herrn Bischofs zu Würzburg Hochfürstlichen Gnaden, aber die Gnade, dass er und seine männliche Nachkommenschaft mit dem Erb-Unter-Schenken Amte des Hochstifts Würzburg und Herzogtums zu Franken belehnt wurde. Die unmittelbare Reichsfreie Ritterschaft löblichen Orts Gebürg erwählte ihn anfänglich zu ihrem Rath, dann aber zum Hauptmann, endlich aber wurde ihn gar das General und Special Direktorium des gesamten unmittelbaren Ritterschaftlichen Corporis aller 3 Kreise Franken, Schwaben und am Rheinstrom aufgetragen, welches er auch bis an sein Ende löblichst verwaltete. Er starb anno 1650, den 11. April.

Johann Philipp hatte zwei Schwestern, Philippina Geuder von Heroldsberg und Euphrosina Geuder von Heroldsberg sowie die 5 Brüder Johann Andreas Geuder von Heroldsberg *1598 +1654, Hanß Christoph Geuder von Heroldsberg *1607 +1636 bei der Schlacht Wittstock, Hanß Friederich Geuder von Heroldsberg u. Stein *1609 +1670, Hanß Heinrich Geuder von Heroldsberg *1610 +1638 bei Eroberung der Stadt Magdeburg und Hanß Jacob Geuder von Heroldsberg *1613 +1636 in Zeitz a.d. Weißen Elster an der Pest gestorben.

Ein paar Begriffserklärungen:

  • Ort Gebürg (=Ritterkanton Gebürg): Dem Internet kann man entnehmen, dass der Reichsritterschaftsort Gebürg mit dem Gebiet etwa der heutigen Fränkischen Schweiz plus Fichtelgebirge gemeint ist.


  • Die 6 löblichen Orte in Franken waren die Ritterkantone Altmühl, Baunach, Gebürg, Odenwald, Rhön-Werra, und Steigerwald. Jeder Kanton hatte einen Ritterhauptmann.


  • Seit 1577 gab es die drei Ritterkreise Schwaben, Franken und Rhein. Ein Ritterkreis war in Ritterkantone unterteilt.


  • Mit dem Begriff Hochstift ist das Gebiet gemeint, in dem ein Bischof die staatliche Gewalt ausübte.


  • Ritter waren im Mittelalter berittene Krieger aus dem Adel. Später rekrutierten sie sich aus dem Kreis der Ministerialen und des niederen Adels. Es bildete sich ein Ritterstand aus. Durch Schwertleite oder Ritterschlag wurde man Ritter.


  • Im Südwesten des Reiches entstand die Reichsritterschaft. Sie unterstand nur dem Kaiser und hatte die eingeschränkte Landesherrschaft, d. h. die reichsritterlichen Kantone hatten bestimmte Rechte wie niedere Gerichtsbarkeit, Steuerrecht, Militärhoheit und das Recht, adlige Mitglieder nach außen rechtlich zu vertreten.


  • Im 12. Jahrhundert entstehen Ritterorden, die ursprünglichen Kreuzritter, die sich dem Heiligen Krieg verschrieben hatten. Ich nenne hier nur den Templerorden, den Johanniterorden und den Deutscher Orden. Die Orden unterstanden dem Papst. Aufgabe war Schutz und Betreuung der Pilger. Im 13. und Anfang des 14. Jh. entsteht die Idee von unabhängigen Staaten. Die Könige wollen in ihrem Königreich alleine herrschen. Es bilden sich nationale Orden. 1312 kam es zur Auflösung des Templerordens.

  • Die Hierarchie der Ritterorden: Oben die Ritterbrüder und Mönchsbrüder. Sie stellen die höchsten Würdenträger, die Meister. Ihnen ist die Verwaltung des Landbesitzes anvertraut, der in Balleien oder Kommenden unterteilt ist. Ritterbrüder müssen frei geboren sein und in keinerlei Lehndienst stehen.


Zur Person von Johann Philipp schreibt Biedermann: "Da er schon vorher Hochgräflich Löwenstein Wertheimischer Hofmeister und Kanzlei Präsident gewesen, ward er anno 1636 als Hochfürstlich Anhaltischer Rath, Hofmeister und Gesandter am Kaiserlichen Wahl- und Krönungstag in Regensburg zum Ritter geschlagen."
Hierzu heißt es in den Geschichtsbüchern, daß FERDINAND III. am 30. Dezember 1636 in Regensburg zum Römischen König gekrönt wurde und erst nach dem Tod seines Vaters die Nachfolge als römisch-deutscher Kaiser am 15. Februar 1637 antrat. Nach Biedermann wählte die unmittelbare Reichsfreie Ritterschaft löblichen Orts Gebürg Johann Philipp Geuder zu ihrem Rat, dann zum Hauptmann, endlich wurde ihn gar das General und Special Direktorium des gesamten unmittelbaren Ritterschaftlichen Corporis aller 3 Kreise Franken, Schwaben und am Rheinstrom aufgetragen. Bis etwa zum Jahre 1700 saß die Verwaltung des Kantons Gebürg in Bamberg, danach wurde das Schloss in Kunreuth Sitz der Kanzlei. Zu den Aufgaben eines Kantons, die oben bereits genannt wurden, kommen noch die Aufsicht des Handwerks, das Münzwesen, Straßenbau und Hilfe bei Einzelfragen zu den Rittergütern hinzu. An der Spitze des Kantons stand der gewählte Ritterhauptmann, ihm zur Seite die Ritterräte. Der einzelne Ritter blieb weitgehendst sein eigener Herr, also unabhängig von den Rechten der an seinem Besitz angrenzenden Fürsten.

Halten wir noch einmal fest:
Die freie Reichsritterschaft in Deutschland gliederte sich seit dem 16. Jahrhundert in einen rheinischen, einen fränkischen und einen schwäbischen Ritterkreis, die sich wiederum aus Kantonen zusammensetzten. Der Ritterkanton Gebürg gehörte dem fränkischen Ritterkreis an.

Anna Elisabeth Rabensteiner von Dölau, die zweite Ehefrau von Johann Philipp ist die 11. Tochter des Ehepaares Philipp Heinrich Döhlau u. Eppenreuth (*08.05.1574 +21.04.1640) mit Anna Maria Brand von Bodenstein (*26.05.1587 +13.04.1637).


Schloss Döhlau bei Hof/Bayern war der Ansitz der aus dem Raum Chemnitz stammenden Rabensteiner. Nach 1643 wechselten die Besitzer. 1692 brannte das Schloss ab, 1701 begann der Wiederaufbau. Das Foto erhielt ich für diese Homepage freundlicherweise von Herrn Edelmann aus Döhlau.


Die Rabensteiner zu Döhlau sind nicht identisch mit den Herren von Rabenstein. Nach Hans Hofner, Verfasser der Heimatgeschichte von Döhlau bei Hof, sind die Rabensteiner sächsisch-thüringische Gefolgschaftsleute auf altem Reich- und Königsland gewesen, während die Herren von Rabenstein in der Fränkischen Schweiz ansässig waren. Johann Philipp Geuder zu Heroldsberg, Neuhof und Stein wird 1636 nach einer Urkunde, die man in der kaiserlichen Kanzlei zu Wien fand, durch Kaiser Ferdinand zum Ritter des Heiligen Römischen Reiches geschlagen. Im Forschungs Forum Heft 9, 1999 Uni Bamberg, findet man von Prof. Dr. Eberhard Schmitt unter dem Artikel "Spätherbst des Mittelalters", dass der Ritterschlag eine Auszeichnung für eine militärische, administrative oder künstlerische Leistung war und der Ausgezeichnete i.d.R. eine goldene Kette und das Recht bekam, goldene Sporen zu tragen (deshalb nannte man eine solche Person "Ritter vom güldenen Sporn"). Die Urkunde, über die Bestätigung des Ritterschlags, hieß "littera militiae" =Ritterbrief. Am 1. Mai 1649 heiratete er in zweiter Ehe Anna Elisabeth Rabensteinerin. Ihr Vetter Adolfd Heinrich starb in der Blüte seiner Jahre in Kopenhagen, womit der ganze Rabensteiner Stamm erlosch. Geuder erhielt vom Kaiser das Recht, seine Familie künftig von Geuder, genannt Rabensteiner, zu benennen (Hofner). Man kann es im Internet, aber auch in diversen Büchern lesen, dass die Geuder seit dem Anfang des Dreißigjährigen Krieges in finanzielle Schwierigkeiten kamen, die Nürnberger Welser als Gläubiger auftraten und schließlich 1660/61 durch Entscheidung des Reichshofrats in Wien den gesamten Geuderschen Anteil in Neunhof bei Lauf, Beerbach, Tauchersreuth mit allen Rechten, die Güter der Geuder in Groß- und Kleingeschaidt, Simonshofen, Dehnberg, Pettensiedel, und Letten, sowie die Weiher in Simonshofen und Laipersdorf erhielten.

© Die Seite wurde am 26.08.2008 erstellt.

 
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