Kirchspiel Oberlind - Internationaler Familienkreis Geuther/Geuter/Geuder-Ahnen

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Geschichtliches über die Geuther im Kirchspiel Oberlind

Aus Veröffentlichungen verschiedener Autoren zusammengestellt. Kurt Geuther im September 2006

Die Forschungen nach Geuther-Vorfahren in Kirchenbüchern, Zinsbüchern und regionalen Geschichtsbüchern haben uns inzwischen ins 15. Jh. getragen. In den Büchern wurde ein Geuder gefunden, der schon Mitte des 15. Jh. in Malmerz gelebt hat. Den Namen Geuther schrieb man früher Geuder oder Geuter, das konnte nachgewiesen werden. Man trifft ihn heute im Großraum Sonneberg oft an, doch warum gerade hier und nicht woanders in Deutschland? Es ist ein Übername sagt man, hergeleitet von Geudner = Mensch, der gerne von sich redet und von sich reden macht, der lärmende Fröhlichkeit liebt und der sich seinen unerschütterlichen Optimismus unter Umständen auch etwas kosten lässt. Grundlage ist das mhd. giuden = großtun, in geräuschiger Freude sein. Die Erklärung Geuder = Verschwender ist unzutreffend, da Geuder längst da ist, ehe die Bedeutungsentwicklung giuden = verschwenden eintritt.

Im südlichen Thüringer Wald und der Lind Ebene ist nur schwer vorstellbar, dass jemand diesen Übernamen bekam. Eher schon jemand in Nürnberg von der reichen Patrizierfamilie Geuder. Vielleicht ein nicht erbberechtigter Sohn, der in diese Gegend kam und hier den Namen verbreitete. Familiennamem entstanden ohnehin zuerst in den Städten, während man in Dörfern und auf Einzelhöfen noch länger nur mit Vornamen auskam.



Unter besonderen Bedingungen kann aus Karstquellen in der Fränkischen Schweiz der Geuder austreten. In der Gegend um Aufseß herum heißen Geysire (zu deutsch Geiser) auf fränkisch Geuder, wenngleich sie kalt sind. Das Bild ist frei erfunden, nur die Weserlandschaft ist echt.

Die Siedlungsgeschichte Thüringens geht bis ins 5. Jh. n. Chr. zurück, in die Zeit der Völkerwanderung. Die Besiedlung und Erschließung der Linder Ebene war wegen morastiger Niederungen und Überschwemmungen erschwert und auf den Höhen des Thüringer Waldes grenzte der dichte Wald die Möglichkeiten ein. Mit vereinzelten Keltensiedlungen setzte die Besiedlung ein. Im Zuge der Völkerwanderung ließen sich germanische Hermunduren, die späteren Thüringer nieder. Das Reich der Thüringer unter König Hermenefried wurde 531 vom Frankenkönig Theuderich erobert. Der thüringische Volksstamm blieb zwar weitgehend erhalten doch es wanderten Franken, Sachsen und Schwaben zu und ostsaalische Slawen folgten. Thüringen wurde Teil der "Francia Orientalis", bleibt jedoch relativ selbständig. Zum Ausgang der Völkerwanderung im 6. Jh. n. Chr. hatten die Franken ein riesiges Reich geschaffen, das unter Karl dem Großen im 8. Jh. n. Chr. noch vergrößert wurde.

Die Franken besetzten die vorhandenen Orte und gründeten viele neue Dörfer und Kolonien. Sie setzten fast in jedes Dorf einen fränkischen Reiter oder Ritter (warum nicht auch einen namens Geuder aus Nürnberg) und verwalteten das Land mittels des Feudalsystems, d.h. sie gaben den einheimischen Bauern gerodetes Land als Lehen und verpflichteten sie zu verschiedenen Abgaben und zu Fron- und Kriegsdiensten. Einige kleinere Orte bestanden bereits im 6. Jh, die meisten wurden in der fränkischen Zeit bis zum 10. Jahrhundert erst gegründet. Solange ein Ort noch kein Ort war, konnte er in den Urkunden auch nicht benannt werden, Anhäufungen von Gehöften hatten keinen offiziellen Namen.

Bonifatius und Kilian brachten das Christentum nach Franken. Um 742 n. Chr. gründete Erzbischof Bonifatius durch Weihung des ersten Bischofs Burchard das Bistum Würzburg. Die Errichtung von Marken um 970 und deren Kolonisation geschah im Zeichen des Christentums, führte zur planmäßigen Errichtung von Pfarren, zur Gründung neuer Klöster und zum Aufbau einer Kultur, die völlig vom Geist des Christentums getragen war.

Die Bildung von Pfarreien wurde konsequent vorangetrieben. Es entstanden in unserem Raum die Urpfarreien von Meeder und Fechheim, die dem Landkreis Coburg angehörten. Der westliche Teil des heutigen Landkreises Sonneberg gehörte zur Urpfarrei Meeder, ein anderer zu Fechheim. Die relativ großen Urpfarreien bestimmten im frühen Mittelalter das kirchliche Leben. Nach der inneren Neugliederung des Bistums Würzburg in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurden die Urpfarreien Meeder und Fechheim dem Landkapitel Coburg zugeschlagen. Wegen dichter werdender Besiedlung begann im 11. Jahrhundert eine Entwicklung, die zur Auflösung der großen Urpfarreien führte. Mupperg und Effelder wurden selbständige Pfarreien und im 13. Jh. Schalkau und Sonneberg. Die ursprünglichen Filialkirchen Oberlind und Judenbach wurden noch vor der Reformation selbständige Pfarreien, auch Heinersdorf im Jahre 1498, das zur Pfarrei Rothenkirchen (Lkr. Kronach) gehörte.

Im 1. Deutschen Reich, "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" (800-1806), wurde eine Siedlung erst dann eine selbständige Ortschaft mit eigener Verwaltung, wenn die Kirche errichtet war. Solange eine solche sakrale Anlage fehlte, war die Siedlung dem Ort angeschlossen, der am nächsten lag und eine solche besaß. Man nannte das Einpfarrung oder Eingemeindung. Bei Karl dem Großen gingen noch weltliche und göttliche Macht Hand in Hand. Oberlind, heute Stadtteil von Sonneberg, liegt in einer Ebene, der "Lind-Ebene", vor dem Südhang des Thüringer Mittelgebirges am Fluss Steinach und wurde 1225 erstmals urkundlich als Lind erwähnt. Als besondere Sehenswürdigkeit steht heute in Sonneberg-Oberlind die gut erhaltene Wehrkirche St. Aegidien aus dem Jahr 1455. Rings um die Kirche lief ein Wassergraben. Die Wehrmauer ist noch gut erhalten und an der Innenseite sind zum Teil noch die Halterungslöcher für den hölzernen Wehrumgang vorhanden. Seit 1496 ist eine Schule belegt und seit 1539 ein zur Kirche gehörendes Unterrichtsgebäude vorhanden.

Die sächsisch-ernestinischen Territorien gehörten zu den ersten Gebieten, in denen die Reformation eingeführt wurde. Mit Einführung des neuen Glaubens ging eine kirchliche Neugliederung einher. Es entstanden selbständige Kirchgemeinden, denen auch Filalkirchen angegliedert sein konnten. Das Land wurde in Superintendenturbezirke aufgeteilt. Sonneberg und Neustadt kamen zur Superintendentur Coburg, die Pfarreien Schalkau und Effelder zunächst zur Superintendentur Eisfeld. Kirche St. Aegidien in Oberlind war eine Filialkirche der Pfarrkirche St. Johannes in Sonneberg. Als Folge der Reformation wurde dies Filialverhältnis 1523 gelöst. Oberlind erhielt 1528 eine eigene Pfarrei. Erster evangelischer Geistlicher in der Kirche war der katholische Pfarrer Andreas Lehr, den Luther persönlich in sein Amt eingewiesen haben soll. Zum Kirchspiel (Pfarrsprengel, Kirchengemeinde) Oberlind gehörten seit 1529 die 12 Ortschaften:

Rottmar, Judenbach, Köppelsdorf, Steinbach, Hönbach, Malmerz, Föritz,
Unterlind, Mönchsberg, Weidhausen, Jagdshof und Hüttensteinach.



1674 wurde Judenbach selbständige Pfarrei, 1904 auch Köppelsdorf mit den angegliederten Ortschaften Steinbach, Mönchsberg, Jagdshof, Hüttensteinach und 1930 auch Gefell.

Kirchspiel ist der Bezirk, in dem ein Pfarrer predigen und die kirchlichen Amtsgeschäfte ausüben kann. Im hennebergischen hieß "zu spiell gehen" einen Besuch machen (im Westerwald "spille gehn"). Dingspel (eigentlich vorchristlich Tingspel) war bei den Sachsen die "Gemeindeberatung" (weltliche Gemeinde). Entsprechend der Entwicklung vom Personenverband zum Flächenverband und der engen Verbindung zwischen kirchenrechtlicher und politischer Gemeindeorganisation, bezeichnete Kirchspiel zunächst den kirchenrechtlichen Personalverband, der sich nach und nach auch flächenhaft zur politischen Gemeinde hin entwickelte. Ein Kirchspiel ist also ein Zusammenschluss mehrerer Kirchengemeinden, die zwar als eigene Gemeinden bestehen bleiben, aber unter einer Leitung stehen und einen gemeinsamen Haushalt haben.

Geuther-Ahnenforschung
Mit Hilfe der Kirchenbücher im Kirchspiel Oberlind und angrenzender Orte sowie mit Erb-, Zins- und Lehenbücher konnten bisher von der Geuther-Familie verschiedene Ahnenlinien aufgestellt werden. Die Malmerzlinie, Jagdshoflinie, Weidhausenlinie (einschl. Mitwitzlinie) und die Köppelsdorflinie.

Die starke Namensanhäufung der Geuther im Kirchspiel Oberlind und Umgebung ist sicher kein Zufall und der Name, in unterschiedlicher Weise geschrieben, ist möglicherweise auf einen oder einige Urahnen, die in diesem Raum lebten, zurückzuführen. Zwischen ihnen und uns mögen heute 700 Jahre oder mehr liegen. Sie werden eine Familie gehabt haben, anders ist die Ausbreitung des Namens nicht zu erklären. Im 14. und 15. Jh. hatte sich die christliche Auffassung von der Ehe schon durchgesetzt. Bei der Rechtshandlung der Eheschließung im 12. Jh. war schon ein Geistlicher zugegen und erklärte das in der Kirche kniende Paar zu Mann und Frau. Schließlich wurde im Konzil von Trient (1545 - 1563) die kirchliche Trauung zur Gültigkeit der Ehe gesetzlich vorgeschrieben.

Pfarrer Friedrich Timotheus Heim beschreibt im Buch "Topograohie des Pfarrspiels Effelder" (1808 bis 1814) die Abläufe bei Kindtaufe, Trauung und Begräbnis sehr anschaulich. In der Ortsgeschichte "650 Jahre Jagdshof" von Karl-Heinz Großmann und der "Geschichte der Stadt Oberlind" von Julius Rebhan werden u. a. die Lebensbedingungen in früheren Zeiten beschrieben. Die Bauern standen hier in Lehnverhältnissen zu fürstlichen oder geistlichen Herren. Geforderte Abgaben hielt man in Zinsbüchern fest, die heute in Archiven, evtl. auch noch in alten Hausakten liegen. Zusätzlich zu den Zinsen verlangte die Obrigkeit noch persönliche Dienstleistungen. Viele Akten sind in den Kriegen durch Zerstörung, Feuer und Plünderungen verloren gegangen. An Zinsbüchern existiert noch eines von 1441 (Archiv Weimar), weitere von 1492, 1499, 1516, 1595 und andere.

Aus dem Buch "Geschichte der Stadt Oberlind" von Julius Rebhan erfährt man etwas über die Siedlungsdichte des Jahres 1638. So lebten in Unterlind noch 3 Familien, in Oberlind 40, in Malmerz 10, in Köppelsdorf 4, in Steinbach 8, in Mönchsberg keine, in Jagdshof 10 und in Judenbach 46 Familien. Nach einer Zählung lebten 1618 in Jagdshof 68 Einwohner und im Jahre 1672 in Sonneberg 986. Krankheiten, der spätere siebenjährige Krieg und die Napoleonischen Kriege machten der Bevölkerung in der Folgezeit weiter schwer zu schaffen. Wie mag die Siedlungsdichte wohl zur Zeit gewesen sein, als die Ortschaften erstmalig genannt wurden, Sonneberg 1144, Malmerz 1262, Köppelsdorf, Steinbach, Mönchsberg und Judenbach 1317, Oberlind 1225 und Jagdshof im Jahre 1340?

Halten wir noch einmal fest. Während des 30 jährigen Krieges lebten im Jahre 1638:

  • in Oberlind 40 Familien, darunter wahrscheinlich eine Geutherfamilie,

  • in Judenbach 46 Familien, darunter mindestens eine nachgewiesene Geutherfamilie,

  • in Malmerz 10 Familien, darunter mindestens eine nachgewiesene Geutherfamilie,

  • in Jagdshof 10 Familien, darunter noch keine nachgewiesene Geutherfamilie,

  • in Neufang 5 Familien. Keine nachgewiesene Geutherfamilie zu dieser Zeit, wohl aber eine 1441.

  • Die Weidhausenlinie (einschl. Mitwitzlinie) konnte erst bis 1678 und die Köppelsdorflinie bis ca. 1735 zurückverfolgt werden.


Der "große unbekannte" Geuther-Urahn hat zweifelsfrei schon vor 1489 in der Region gelebt und sein Geschlecht konnte sich bis in die heutige Zeit erhalten. Der Name jedoch nicht in Judenbach, hier sind die Geuder/Geuther inzwischen ausgestorben. Die zuletzt nachgewiesene Margarethe Barbara Hammerschmidtin, geb. Geutherin starb am 4. April 1807 in Judenbach. Wer mögen der oder die Urahnen der Geuder/Geuther im Großraum Sonneberg gewesen sein? Ob man den Conz (= Kunz) Geuder aus Heroldsberg damit in Verbindung bringen kann, weil ein Gleichnamiger zu der Zeit in Oberlind/Malmerz lebte? Eines Tages werden wir vielleicht einen Hinweis bekommen, der uns zu den Urahnen führt.

Die große Anzahl von Burgen und Schlössern in Thüringen weist darauf hin, dass auch in unserem engeren Forschungsraum schon sehr früh Menschen gelebt haben, denn die Burgen waren meist auch Schutzburgen für die Menschen, die hier in Siedlungen lebten. Bei jeder größeren Burg gab es auch eine Kapelle und einen Priester. Beispielhaft nenne ich folgende Burgen und Schlösser:

  • Schloss Eisfeld im 8./9. Jh. von den Franken erbaut,

  • Schloss Effelder-Rauenstein im Jahre 1162 erwähnt,

  • Burg Niederfüllbach um 1075 erstmal urkundlich erwähnt als Saalfelder Klostergut in einer Schenkungsurkunde der polnischen Königin Richeza an den Bischof Hanno von Köln.

  • Burg Bad Blankenburg 1137 erwähnt,

  • Burg Schaumburg erbaut um 1150 durch Hermann von Wolveswac (Wohlsbach) aus dem Hause Sterker (Burggrafen von Meissen),

  • Schloss Wespenstein in Gräfenthal um 1250 erbaut,

  • Burg "Hoher Schwarm" zur Zeit des ottonischen Königshofes im 10. Jh. errichtet,

  • Residenzschloss Saalfeld existierte 899 mit dem Namen Sakuelda, 1056 wurde ein Benediktinerkloster errichtet,

  • Schloss Schwarzburg Mitte des 11. Jh. und

  • Burg Neuhaus-Schierschnitz 1319 erwähnt.


Sicher wird es irgendwo Schriftliches über Burgen, Schlösser und natürlich auch über Klöster geben, das wir unter die Lupe nehmen sollten. So auch über die Klöster

  • Langheim, einem Stadtteil von Lichtenfels,

  • Kloster Banz, ein ehemaliges Benediktinerkloster, seit 1978 zum Gebiet der Stadt Bad Staffelstein gehörend mit der naheliegenden Kirche Vierzehnheiligen,

  • das Saalfelder Franziskanerkloster um 1250 durch die Grafen von Schwarzburg gegründet oder

  • das Kloster Fulda (auch Reichskloster Fulda oder Reichsabtei Fulda) 744 von Sturmius im Auftrag von Winfried Bonifatius in einer Fuldaaue gegründet.


Zur Erschließung der Besitzgeschichte und Sippenforschung sollten wir versuchen, auch Gerichtsbücher, Handelsbücher und Testamente für unsere Zwecke durchzusehen.

Gegenwärtig beschäftigt sich die Geuther-Forschung weiter mit den vorher schon genannten Ahnenlinien. Die auch in Amerika verzweigte Weidhausenlinie wird tiefer erforscht und in Judenbach sind wir dabei, alle Personen mit Namen Geuder/Geuter/Geuther zu erfassen.

Die Ausbreitung des Namens Geuther im Kirchspiel Oberlind verwundert nicht wenn man bedenkt, daß sich Kirchenleben und Schulleben im Ort Oberlind abspielten, die Einwohner sich daher untereinander kannten oder miteinander verwandt waren. Davon zeugen Vermählungen und Patenschaften.

Unsere Familienforschung kennt als ältesten Vorfahr Hempell Geuder aus Malmerz mit Sterbedatum 1498 oder 1499, möglicherweise auch dessen Vater, einen Hans Gewder (Geuder) aus Neufang, der um 1400 herum geboren sein könnte, wie Dr. Eckhard Geuther in seiner Abhandlung "Quellen zu den ersten Geuder / Geuther in Malmerz / Oberlind" angibt. Hören wir dazu einen Ausschnitt aus seiner Abhandlung:

Ich habe lange geglaubt, das verschollene "Kleine Erbbuch der Pflege Coburg von 1492" sei die am weitesten zurückreichende Urkunde zu Namen und Lehensträgern in Malmerz. Dann erfuhr ich im Juni 2004 vom Sonneberger Heimatpfleger Thomas Schwämmlein, daß sich in Weimar ein Zinsbuch der Pflege Coburg von 1441 (!) befinde. Dies sei allerdings ein Fragment und es sei deshalb ungewiß, ob Malmerz darin enthalten sei. Ich nahm mir vor, der Sache nachzugehen und war kurz danach - nicht nur wegen der Familienforschung - sehr erschrocken, als in Weimar die berühmte Anna-Amalien-Bibliothek brannte. Dann erfuhr ich aber, daß das Fragment im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar liege und machte mich mit meiner Frau auf den Weg. Zu unserer Freude stellten wir nicht nur fest, daß die Eintragungen für Malmerz in dem Fragment enthalten sind, sondern wir erlebten eine zusätzliche Überraschung: In den Jahren nach 1441 (es gab Nachträge bis 1489!) hat als erster in Malmerz nachweisbarer Grundbesitzer mit dem Namen Gewder ein Hans Gewder ein "Gut" von einer Alheit Eckartyn bzw. einer Zwischenbesitzerin, deren Name nicht mehr lesbar ist erworben (durch Kauf? Durch Einheirat?). In diesem frühen Zinsbuch ist Hempel Gewder noch nicht verzeichnet! War dieser Hans der Vater von Hempel? Zur Beantwortung dieser Frage müsste man zunächst wissen, in welchem Jahr nach 1441 (ca.) Hans Gewder das Gut erwarb. Dazu könnte vielleicht ein Schriftenspezialist durch Vergleiche mit anderen Eintragungen einen Beitrag leisten. Ein weiterer Fund in diesem Fragment beschäftigt mich: 1441 (nicht in den Jahren danach!) besaß in dem von Malmerz nur 4 bis 5 km entfernten Neufang, das heute ebenfalls zu Sonneberg gehört, ein Hans Gewder ein "Gut", das in den Jahren danach an einen "Nicht-Gewder" überging. War dieser Hans Gewder, der um 1400 herum geboren sein könnte, identisch mit dem ersten Malmerzer Grundbesitzer aus der Gewder-Familie? Ich befürchte, daß wir hier endgültig im Bereich der Spekulation stecken bleiben (wie auch bei der Frage, wer Kuntz, Cuntz bzw. Contz Gewder in Malmerz waren, die um 1500 in verschiedenen Urkunden auftauchen). Hinsichtlich des "ersten Hans" könnten wir eventuell weiter kommen, wenn das verschollene Kleine Erbbuch der Pflege Coburg von 1492 wieder auftauchen sollte. Denn: Wenn "Hans" hier nicht mehr enthalten ist (wohl aber in den Jahren nach 1441 und auch noch lt. Herrn Herold nach 1516), dann handelt es sich um zwei verschiedene Personen, nämlich u.U. um Vater und Sohn von Hempel Gewder. Aber wie dem auch sei: Es bleibt doch interessant zu wissen, daß unsere väterliche Geuther-Linie bis in das Mittelalter in den fränkisch-thüringischen Raum um Sonneberg zurückreicht und daß mindestens die ersten neun Generationen in Malmerz lebten.

Ende des Zitats

Auf der Suche nach unserem Urahn im Großraum Sonneberg kann man es uns wohl nicht verdenken, wenn wir auch rüber zu den Geuder nach Nürnberg gucken, die sich auf den 1278 verstorbenen Ritter Sigemund Geuder beziehen. Beispielhaft nur einige davon:

  • Im Alt-Nürnberger Namenbuch von Charlotte Scheffler-Erhard steht ein Geuder, der 1302 mit zwei Bürgen als Bürger in der Stadt aufgenommen wurde.

  • Ebenfalls aus dem Alt-Nürnberger Namenbuch 1366: Heinrich Gewder, Schultheiss.

  • Die Patrizier und Brüder Konrad und Heinrich Geuder erwarben 1391 die Güter zu Heroldsberg, zu Bruck, zu Groß- und Kleingeschaidt, zu Beringersdorf und zu Herpersdorf mit allen Ehren, Rechten, Gewohnheiten und Freiheiten; mit Halsgericht und Dorfgericht; mit Nutzen und Diensten, Wassern, Wiesen, Äckern, Wäldern und Weide.

  • Am 14. September 1417 verleiht König Sigmund in Konstanz auf Bitte von Conz (= Kunz) Geuder den Bürgern Heroldsbergs Schild und Wappen.

  • Der Nürnberger Patrizier Jacob Geuder von Heroldsberg (1575-1616) schloss sich zusammen mit seiner Frau Sabina, geb. Welser dem reformierten Bekenntnis an und wurde Mitglied des oberpfälzischen Kirchenrates in Amberg. Dessen Sohn Hannß Philipp verlegte nach dem Tod seines Vaters die Gottesdienste in das Schloss nach Heroldsberg, in dem ein reformierter Pfarrer predigte und die Geuderschen Kinder taufte.

  • 1572 erwarb Philipp Geuder von Heroldsberg mit seiner Ehefrau Katharina, geb. Welser die Burganlage Gründlach. Sie besaßen genügend Mittel um die Verteidigungsanlage wieder instand zu setzen.

  • Von 1752 bis zu seinem Tod 1789 war Johann Adam Geuder von Heroldsberg Schlossherr des Gelben Schlosses.

  • 1796 endete für die Herren von Geuder die über vierhundertjährige Herrschaft über Heroldsberg.


Ein Hinweis auf die Geuder mit ihren Verbindungen zu anderen Adelshäusern, siehe unter
Verein für Computergenealogie. Man braucht nur den Nachnamen "Geuder" einzusetzen. Es lohnt sich, reinzuschauen. Hierin enthalten sind die Geuder von Heroldsberg, die seit Mitte des 13. Jh. das Recht hatten, Mitglieder in den Rat der Stadt zu schicken und denen 1697 der Adelstitel zuerkannt wurde (Angaben s. "Historischer Atlas von Bayern").

Zeitgleich mit den Geuder/Geuther des 15. Jh. im Großraum Sonneberg, lebten die Nürnberger Patrizier Geuder. Ob es Kontakte oder gar verwandtschaftliche Beziehungen gab, wurde von uns noch nicht recherchiert. Sollten wir auf unseren Wegen auf solche Kontakte stoßen, würden wir ihnen natürlich nachgehen. Für die Frage, ob die Orte in der Linder Ebene früher als die Orte im südlichen Thüringer Wald entstanden sind, gilt die Faustregel, dass die Linder Ebene früher besiedelt wurde.


- Ende -




© überarbeitet im August 2008

 
10.09.2017
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