Spaziergang 2011 - Internationaler Familienkreis Geuther/Geuter/Geuder-Ahnen

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Spaziergang um die Geuder Schlösser in Heroldsberg
von
Gaby Geuther


Einer der Höhepunkte unseres diesjährigen Treffens war sicherlich der Spaziergang durch
das historische Heroldsberg. Eberhard Brunel-Geuder, Nachkomme der Heroldsberger Geuder
Familie,führte uns am Sonntagmorgen zu den Stätten seiner Vorfahren. Wir hätten uns
kaum einen besseren Fremdenführer wünschen können. Seine außerordentliche Qualifikation
basiert nicht nur auf seine Abstammung von den Nürnberger Geuder Patriziern, auch in
seiner Kapazität als Vorsitzender des Vereins Kulturfreunde von Heroldsberg hat er sich
ausführlich mit der lokalen Geschichte beschäftigt,dabei mehrere Publikationen, wie
den Bildband "Spaziergang durch den Ort Heroldsberg" herausgebracht,zugleich ist er
auch gegenwärtig im Gemeinderat, Kreisrat und als 2. Bürgermeister im örtlichen
Geschehen engagiert.



Eberhard Brunel-Geuder und Christa Geuther



Die Geuder gibt es schon seit 1391 in Heroldsberg, als Konrad und Heinrich Geuder,
zwei Nürnberger Patrizier, den Heroldsberger Besitz inklusive Gerichtsbarkeit
kauften. Von da an blieben die Geuder fast ununterbrochen bis in die heutige Zeit
mit Heroldsberg verbunden.

Eng nebeneinander beherrschen die Geuder Herrenhäuser -das Rote, Grüne und Weiße
Schloss mit der Kirche-die Silhouette des Ortes, wie schon eine Federzeichnung
Albrecht Dürers von 1510 bezeugt. Dürer weilte damals bei seinem Freund
Martin Geuder, der 1498 das Rote Schloss erbauen ließ. Vom Gründlach Grund,
dem Tal zwischen dem oberen und unteren Teil Heroldsbergs aus betrachtet,
ragen die mächtigen Wehrmauern des Roten und Grünen Schlosses. Angeblich bezieht
sich die Benennung der Schlösser auf die Farbe der jeweiligen Fensterläden,
obwohl Brunel-Geuder davon nicht überzeugt ist, und möglicherweise auf den
Farbton der Sandsteinblöcke tippt, aus dem die Häuser gebaut sind.
Und ja, jetzt meint man auch bei den Wänden einen deutlich roten oder beige-grünen
Anflug zu sehen.

An der Wehrmauer des Grünen Schlosses vorbei steigen wir einen Pflasterweg hinauf
zum Kirchhof.Daneben steht das Weiße Schloss, welches viele Jahre der Gemeinde als
Rathaus diente.Ursprünglich 1487 von Andreas Geuder gebaut, im Markgrafenkrieg zerstört,
erfolgte später der bis heute erhaltene, mehrere Male renovierte Neubau.
1928 war das Gebäude von der Besitzerin, einer Freiin von Geuder, genannt Rabensteiner,
an die Gemeinde verkauft worden. Heute möchte Eberhard Brunel-Geuder es gerne als
Museum und Kulturstätte sehen, wofür allerdings im Augenblick weder die Mittel noch
allgemeines Interesse vorhanden sind.Im Tal leuchtet das erfrischende Blau der
Badeanstalt, die auf der ehemaligen Schlosswiese gebaut wurde.


          
            
           Weißes Schloß                                                      Grünes Schloß

Vom Hof blickt man direkt auf das Grüne Schloss, das als ältestes Geuder Herrenhaus
in Heroldsberg gilt,wohl auf dem Platz des ursprünglichen kaiserlichen Hofes errichtet.
Andreas Geuder beurkundet 1471 erstmalig seinen "Edelmannssitz", einen erdgeschossigen
Steinbau mit hohem Steildach und zwei Zwerchhäusern darin. Dieser wurde im 2. Markgrafenkrieg zusammen mit den anderen Geuder Schlössern zerstört.
Das heutige dreigeschossige Gebäude entstand erst danach.

Bis 1977 blieb es im Besitz der Geuder, genannt Rabensteiner-Linie und wurde dann
von Zahnarzt Dr. Much erworben. Auch auf dem Friedhof und in der St. Matthäus Kirche
finden sich überall die Spuren der Geuder. Da ist die besondere Loge auf der Empore mit
dem Wappen der Familie, von welcher sie dem Gottesdienst beiwohnten, die Totenschilder
im Altarraum, der mit einem von Riemenschneider geschnitzten Kruzifix ausgestattet ist,
die Gedenktafeln und Grabsteine von Martin Geuder, Christian Geuder und anderen,
die bunten Glasfenster mit ihren Wappen. Die wiederentdeckten Fresken im Eingang leuchten
noch so farbenfroh wie 1380, als sie aufgetragen wurden.
Sicherlich wurden sie auch schon von Konrad und Heinrich geschätzt.

                                                


Als Nürnberger Bürger waren die Geuder dem lutherischen Glauben beigetreten.
Erst Jacob Geuder, von dem gesagt wird, dass er ein streitbarer Mensch war, kündigte
nach einer Auseinandersetzung 1611 sein Bürgerrecht in Nürnberg auf, wurde Mitglied
der Fränkischen Ritterschaft, trat in die Dienste des Kurfürsten von der Pfalz
und konvertierte zum Calvinismus. Als er in der Kirche einen calvinistischen
Gottesdienst einführen wollte, kamen 200 Nürnberger Soldaten nach Heroldsberg
und versiegelten diese. Von da an hielt er Gottesdienst in seinem Schloss in
Heroldsberg oder in Neunhof. Sein Enkel Johann Adam nahm den Kontakt mit Nürnberg
wieder auf,und so teilte sich die Familie in zwei Linien, die Nürnberger Geuder
und die Geuder, genannt Rabensteiner Linie.Beide behielten Grundbesitz in Heroldsberg.

Nördlich von der Kirche geht es zum etwas abseits gelegenen "Gelben Schloss", dem
als letzten in der Gruppe gebauten Herrenhaus. Das Grundstück war schon 1486 von
Andreas Geuder gekauft worden, doch das heutige Herrenhaus wurde erst um 1600 von
Hieronymus Geuder auf den Fundamenten eines vielleicht im Markgrafenkrieg zerstörten
Vorgängerbaus errichtet. Bis 1955 blieb es im Besitz der Geuder, seit 1987 gehört es
der Familie Böhm aus Nürnberg,welches es gründlich renovierte. Es hat seinen
freundlichen und stattlichen Charakter behalten. Am eisernen Tor prangt noch
immer das 3-Sterne-Wappen der Familie und aus dem falschen Fenster zur
Straße hin schaut ein aufgemalter Geuder Patrizier.



Unser Spaziergang führt uns auch an zwei historischen Ziehbrunnen vorbei, die wie
unberührte Relikte einer vergangenen Zeit erscheinen. Heroldsberg lag an der
wichtigen Handelsstraße zwischen Nürnberg und Leipzig. Es war die letzte Station
der Kaufleute bevor sie die Stadt betraten. Weil es billiger war, kehrten die
hochbeladenen Kaufmannszüge noch einmal in den vielen Gasthäusern Heroldsbergs ein.

Ein großes Tor steht am Eingang zum Roten Schloss. Eberhard Brunel-Geuder
ist hier aufgewachsen, er hat Fußball im Hof zwischen den Gesindehäusern
gespielt und Bäume beklettert. Im Schloss zu leben war aber gar nicht so
romantisch wie viele glauben, denn es war kalt und zugig in der großen Halle,
die alle Zimmer miteinander verbindet. Trotz vieler Erneuerungen fehlte so
manches in dem jahrhunderte alten Bau. Auch hier können wir bedauerlicherweise
wegen Wahrung der Privatsphäre keinen Blick ins Innere werfen. Die barocken Stuckdecken,
die wertvollen Holzvertäfelungen aus der Renaissance und berühmten Wandbemalungen
bleiben uns verschlossen. Ein Museum der Geschichte Heroldsbergs und seiner Geuder,
die den Markt bis zu seinem heutigen Erscheinen geprägt haben, mit Bildern,
antiken Stücken und einem Archiv versehen, wäre wahrlich eine große Bereicherung für
die Stadt. Gehören wir zu den Heroldsberger Geuder? Eine edle und herrschaftliche
Vergangenheit würde so manchem gefallen. Mit größerer Wahrscheinlichkeit stammen
die Heroldsberger Geuder von dem gleichen Urahnen ab wie alle anderen Geuder,
Geuter und Geuther. In diesem Sinne gehören wir zusammen.Nur haben es nicht alle
Zweige dieses Stammbaums zu Reichtum und Einfluss gebracht.

Die Sonne scheint warm im gepflasterten Hof. Wir machen noch ein paar Fotos auf
der Bank unweit des alten Backofens.Morgen steigt ein Fest, zu dem der Backofen
wieder angefeuert wird um eine Art fränkischer Pizza aus Brotteig,den "Brodkung"
zu fertigen.Gutes Gelingen und möge Heroldsberg auch weiterhin seine
(Brunel-) Geuder zu schätzen wissen.

 
10.09.2017
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